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Pressemitteilung DIE LINKE. Koblenz zum CSD Koblenz 2019

Zum zwölften Mal gibt es in Koblenz einen CSD.
Die Gewalt gegen die LSBTIQ-Community rund um die Stonewall Inn, die zu der ersten Christopher Street Day Demonstration in New York geführt haben, ist nun 50 Jahre her - eigentlich ein Grund, sich auf die Wurzeln zu besinnen und sich und andere für das Erreichte zu feiern.

Seit der ersten Stunde war ich in Koblenz dabei, sei es als Unterhaltungsnummer oder in der politischen Diskussionsrunde. Jetzt muss ich fragen: Was ist mit dem CSD in Koblenz los? Um es deutlich auszusprechen:

Wir üben Kritik an der Ausrichtung, denn der politische Aspekt des CSDs ist in den vergangenen Jahren immer weiter in den Hintergrund getreten, sodass er eine fast ausschließlich kommerzielle Spaßveranstaltung geworden ist.

Wieso denken wir, dass diese Kritik berechtigt ist?

Zum einen ist der finanzielle Aspekt zu nennen. Der Verkauf der Getränke geht zu 100 Prozent in den privaten Geldbeutel von Jens Prangenberg (Besitzer vom Kurioos und Leiter der Gayphoria-Reihe). Zum Ausgleich zahlt er die Bühne des CSDs. Eine Offenlegung der Einnahmen gegenüber dem Gemeinnützigen Verein zu Förderung des CSDs, welcher diesen organisiert, wird abgelehnt. Es geht hier nicht um ein generelles Misstrauen, aber wer als Demonstrationsteilnehmer*in und politisch aktiver Mensch denkt, er oder sie unterstütze durch den Kauf von Getränken den CSD in Koblenz, liegt falsch. Auf Nachfrage, wie hoch der kommerzielle Profit sei, hieß es, das sei „Betriebsgeheimnis“.

Anfragen von regionalen Künstler*innen, die auf der Bühne auftreten wollen, werden abgelehnt, auch wenn sie dies ohne Bezahlung machen würden. Es kam auch vor, dass das Mikrofon ohne Vorwarnung abgedreht wurde, um wieder im Zeitplan zu sein – so viel zur Unterstützung der Community vor Ort!

Es findet dieses Jahr KEINE politische Diskussionsrunde statt. Zwar ist diese Kernbestandteil eines jeden CSDs, aber man entschied sich dieses Jahr dagegen. Nach letztem Jahr gab es Pläne, wie man die Diskussionsrunde erweitern und verbessern könnte, beispielsweise mit Fragen, die vorher eingereicht werden und einer zweiten Runde auf einer Kleinbühne. Auch wurde von der Stadtratsfraktion DIE LINKE. Koblenz der Vorschlag gem

acht, einen Antrag für einen Queer-Beauftragten zu stellen, der mit Verbesserungsvorschlägen des Vereins zur Förderung des Christopher Street Days als Grundlage der politischen Diskussion hätte dienen können.

(Wir werden den Antrag natürlich stellen!)

Von diesen ganzen Überlegungen wollten die CSD-Organisator*innen plötzlich nichts mehr hören. Nach anfänglicher positiver Stimmung hieß es nun, es seien dieses Jahr keine Wahlen, somit solle das Ganze gestrichen werden. Stattdessen wird es eine Experten-Runde aus dem sozialwissenschaftlichen Bereich geben. Dies ist sicherlich auch eine gute Idee, nur wäre aus unserer Sicht beides wichtig gewesen. Neben der vielen Party würde ein bisschen mehr politischer Inhalt dem CSD in Koblenz sicherlich gut zu Gesicht stehen, zumal der Veranstalter gravierend höhere Standgebühren von den Parteien als von den Vereinen erhebt. Für kleinere Parteien (die Kosten belaufen sich auf mehrere Monate der Mitgliedsbeiträge) stellt dies eine Diskriminierung dar. Vor allem, da auf der anderen Seite Kritik laut wird, wenn man sich dagegen entscheiden sollte, einen Stand zu machen.

Der Verein zur Förderung des Christopher Street Days richtet keine Demonstration aus, sondern diese organisieren Patrick Zwiernik, der Gründer des CSDs in Koblenz (Mitglied der Grünen) und Oliver Antpöhler (Mitglied von DIE LINKE.). Hier ist es uns wichtig, dies – wie auch in den letzten Jahren – nicht unter Partei-Fahnen zu machen, aber wir kämpfen dafür, dass es wenigstens eine politische Demo gibt. Die Unterstützung sieht katastrophal aus. Auf den Plakaten wird man nicht müde auf die Partys hinzuweisen, aber es fehlt ein Hinweis auf die Demo. Genau hier sieht man, worauf die Aufmerksamkeit des Veranstalters der Feierlichkeiten an der Liebfrauenkirche liegt.

Zudem gibt es seit einigen Jahren die Pride-Week. Hier können Vereine oder Parteien rund um das Thema LSBTIQ Veranstaltungen machen, um einen Schwerpunkt auf dieses zu setzen. Dieses Jahr gibt es nicht nur eine Woche, sondern einen ganzen Sommer. Im Programmheft findet man eine große Anzahl an Sponsoren, aber die Veranstaltungen sind in keiner Weise angemessen beworben. Es sind die Vereine in Koblenz, die das ganze Jahr hervorragende Arbeit für Vielfalt und Akzeptanz leisten. Die kommerziellen Partys werden auf Facebook verlinkt, aber leider nicht die Angebote der Vereine oder der Parteien.

Dörthe Dutt verweigert als Präsidentin des Narrenbunt e.V. die Teilnahme des Vereins an der Demonstrationsparade. Es ist uns völlig schleierhaft, wieso sie mit ihrem Vorstand eine Ablehnung der Teilnahme für ihren ganzen Verein ausspricht, obwohl sie die langjährige Moderatorin und die Präsidentin des größten LSBTIQ-Vereins in Koblenz ist. In den ersten Jahren standen die Nachwuchskünstler*innen des Vereins im Mittelpunkt des abendlichen Programms, dies hat sich leider dahin verschoben, dass der Verein nicht mehr auf der Bühne steht, sondern Dörthe Dutt sie als Plattform für ihr rein kommerzielles Bühnenprogramm nutzt.

Ja, dieses Feedback wird Einigen böse aufstoßen, dennoch liegt es uns fern, einzelne Personen an den Pranger zu stellen. Bei aller Kritik, die wir jetzt geäußert haben, ist uns klar, dass ein CSD bezahlt werden können muss, um überhaupt gestemmt werden zu können. Dahinter stehen viele Personen, die alles dafür geben, dass es überhaupt einen CSD gibt. Dafür sagen wir „Danke“! Uns liegt viel daran, dass Koblenz einen bunten und vielfältigen CSD hat, mit vielen verschiedenen Gesichtern und mit Spaß an der Freude.

Verlagert den Schwerpunkt: Eine bessere Gayphoria - nur draußen - wollen wir nicht!

Autor: Oliver Antpöhler, Mitglied des Stadtverbandes Die Linke Koblenz

Oliver Antpöhler